Ottaviano Dell’Acqua kommt nach Ilmenau

Das SpencerHill Festival 2026 in Ilmenau bekommt prominente Verstärkung: Ottaviano Dell’Acqua hat seinen Besuch angekündigt. Für manche Zuschauer ist er vielleicht nicht sofort mit Namen präsent, sein Gesicht aber ganz bestimmt. Über Jahrzehnte gehörte der Italiener zu jenen beweglichen, furchtlosen Darstellern, die in den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort standen – und deshalb regelmäßig eine der berühmten Filmprügeleien aus nächster Nähe erlebten. Der offizielle Festival-Account bestätigte am 3. August, dass Dell’Acqua im September nach Ilmenau kommt. Das ist eine schöne Nachricht für alle, die nicht nur die Hauptdarsteller, sondern auch die prägenden Gesichter aus dem Hintergrund der Spencer/Hill-Welt feiern.
Ein vertrautes Gesicht aus zwölf Filmen
Insgesamt zwölfmal war Ottaviano Dell’Acqua laut Festival-Ankündigung in Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill zu sehen. Das klingt zunächst nach einer Zahl für Spezialisten, erzählt aber viel über seine Rolle im Kosmos des Duos. Dell’Acqua war kein Star, der eine Produktion allein trug. Gerade deshalb funktionierte er so gut: Er gehörte zu den Leuten, die einer Szene Tempo, Glaubwürdigkeit und Energie gaben. Wenn in einer Bar Stühle flogen, wenn eine Verfolgungsjagd Fahrt aufnahm oder wenn ein Gegenspieler besonders akrobatisch zu Boden gehen musste, war genau dieses Können gefragt.
Seinen ersten Einsatz bei einem Bud-Spencer-Film hatte Dell’Acqua bereits 1973. In Sie nannten ihn Mücke wurde er als Gerry sichtbar, der wieselflinke Kleindieb, den Bud Spencers Figur schließlich in die Football-Mannschaft integriert. Diese Rolle zeigt sehr gut, warum man den Schauspieler im Gedächtnis behalten kann: Er brachte Beweglichkeit und eine freche, fast tänzerische Energie in die Handlung, ohne den Film an sich zu reißen. Genau diese Mischung machte viele Nebenfiguren der klassischen Produktionen so liebenswert.
Von der Zirkusfamilie an die Filmsets
Dell’Acqua wurde am 13. März 1955 geboren und kommt aus einer Zirkusfamilie. Zusammen mit seinen Brüdern lernte er schon früh artistische Bewegung, Körperkontrolle und das sichere Fallen. Für das italienische Kino der 1970er Jahre war das eine ideale Grundlage. Die Produktionen brauchten Menschen, die körperlich arbeiten konnten, vor der Kamera natürlich wirkten und auch in hektischen Szenen einen kühlen Kopf behielten. Dell’Acqua begann bereits als Teenager als Stuntman und fand so seinen Weg in die Filmbranche.
Dass er in der Spencer/Hill-Welt mehr war als ein beliebiger Prügelknabe, zeigt seine lange Liste an Einsätzen. Er wirkte unter anderem in Filmen der Plattfuß-Reihe mit, stand für Der Bomber vor der Kamera und war auch in späteren Bud-Spencer-Produktionen aktiv. Wer durch die Filmübersicht stöbert, entdeckt schnell, wie viele dieser Filme vom Zusammenspiel aus Stars, Nebendarstellern, Stuntleuten und Spezialisten leben. Die großen Namen stehen auf dem Plakat, doch die Magie entsteht erst, wenn alle Rädchen ineinandergreifen.
Stunt-Koordinator mit internationaler Erfahrung
Ab Mitte der 1980er Jahre verlagerte Dell’Acqua seinen Schwerpunkt zunehmend hinter die Kamera. Als Stunt-Koordinator plante und betreute er jene Abläufe, die beim Zuschauen mühelos aussehen sollen, in Wahrheit aber präzise vorbereitet sein müssen. Diese Arbeit führte ihn weit über das italienische Unterhaltungskino hinaus. Die Spencer/Hill-Datenbank nennt etwa Mitwirkungen an Gangs of New York, Ein Quantum Trost, Illuminati und John Wick – Kapitel 2. Das zeigt, dass sich die Fähigkeiten, die er in den italienischen Produktionen erworben hat, auch im internationalen Kino bezahlt machten.
Besonders passend für die hiesige Fan-Gemeinde ist seine Verbindung zu Terence Hills späterem Film Mein Name ist Somebody: Dort arbeitete Dell’Acqua als Stunt-Koordinator. Zwischen den frühen Prügelszenen mit Bud Spencer und der Arbeit an einer modernen Terence-Hill-Produktion spannt sich damit ein weiter Bogen. Seine Laufbahn macht sichtbar, wie sehr die Spencer/Hill-Filme Teil einer größeren italienischen Filmtradition sind – einer Tradition, in der Handwerk, Improvisation, Körperarbeit und Timing eng zusammengehören.
Warum die Ankündigung für Fans interessant ist
Ein Festivalgast wie Ottaviano Dell’Acqua bringt eine andere Perspektive mit als eine reine Autogrammstunde. Menschen, die an solchen Produktionen beteiligt waren, können von Abläufen am Set erzählen: von der Vorbereitung auf eine Schlägerei, von der Zusammenarbeit mit Regie und Kamera oder vom Unterschied zwischen einer Szene, die im Drehbuch einfach aussieht, und ihrer Umsetzung vor Ort. Gerade weil Dell’Acqua sowohl vor als auch hinter der Kamera gearbeitet hat, darf man auf Erinnerungen aus zwei Blickwinkeln hoffen.
Die neue Ankündigung ist dabei bewusst kein Ersatz für die bereits bekannten Festivalpunkte und auch keine Wiederholung der Tombola oder der Westernshow. Ihr Reiz liegt in der Person selbst: Dell’Acqua steht für die vielen Profis, ohne die die Filme von Bud Spencer und Terence Hill niemals so dynamisch, körperlich und leichtfüßig geworden wären. Wer beim Festival in Ilmenau dabei ist, kann mit etwas Glück einen Mann erleben, dessen Arbeit sich durch mehrere Jahrzehnte Kinogeschichte zieht. Die vollständige Bestätigung des Besuchs findet sich in der offiziellen Festival-Ankündigung.
Bis zum Festivalbeginn im September bleibt also noch etwas Zeit, seine Auftritte noch einmal bewusst zu entdecken. Beim nächsten Wiedersehen mit Gerry, einem Polizisten, einem Schläger oder einem der vielen Gesichter am Rand lohnt sich ein genauerer Blick. Vielleicht ist Ottaviano Dell’Acqua gerade dabei, eine Szene mit seiner Akrobatik erst richtig lebendig zu machen.



