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Sergio Leone

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Ein glorreicher Halunke: Sergio Leone

Ganze 7 Filme hat er federführend inszeniert und doch gilt Sergio Leone als einer der größten Regisseure aller Zeiten. Seine Trilogia del dollaro [„Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) und „Zwei glorreiche Halunken“ (1966)] und seine Trilogia americana [„Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968), „Todesmelodie“ (1971) und „Es war einmal in Amerika“ (1984)] sind legendär, er machte Clint Eastwood und Charles Bronson zu Ikonen, seine einfallsreiche Bildsprache mit Weitwinkelaufnahmen, Zooms und Langeinstellungen wurde ein oft kopiertes Stilmittel.
Dass Handwerk hatte der Sohn des Kinopioniers Roberto Roberti und der Stummfilmaktrice Edvige Valcarenghi von der Pike auf gelernt. Ab Mitte der 1940er Jahre war er als Komparse, Drehbuchautor, Regieassistent und Leiter des zweiten Kamerateams an verschiedensten Produktionen vom kommerziellen Historienabenteuer bis zum künstlerisch wertvollen Neorealismus-Drama beteiligt. So spielte er als Statist im Klassiker „Fahrraddiebe“ (1991) mit, war für einige Aufnahmen bei den Monumentalepen „Quo Vadis“ (1951) und „Ben Hur“ (1959) verantwortlich und fungierte (ungenannt) als Co-Regisseur beim Kinohit „Die letzten Tage von Pompeji“ (1959).
Sein Erstling „Der Koloss von Rhodos“ (1961) ließ noch nicht viel von der Brillanz des gebürtigen Römers erkennen. Der Streifen ist ein typischer Sandalenfilm. Sergio Leone gab später zu, dass er den unoriginellen Streifen nur gemacht hatte, um Geld für seine Hochzeitsreise zu verdienen.
Nach dieser langen Phase der ersten Gehversuche startete der Bart- und Brillenträger dann richtig durch. Inspiriert vom japanischen Jidaigeki („Ära-Drama“) „Yojimbo“ (1961) von Meisterregisseur Akira Kurosawa schuf der Liebhaber von Havanna-Zigarren einen Kultklassiker sondergleichen: „Für eine Handvoll Dollar“! Er versetzte die Story in den Wilden Westen (besser gesagt ins amerikanisch-mexikanische Grenzland), fand mit Clint Eastwood den perfekten Hauptdarsteller und beauftragte seinen früheren Klassenkameraden Ennio Morricone, die Filmmusik zu komponieren. Der Rest ist Geschichte. Anfangs belächelt, avancierte der neuartige Western erst zu einem Geheimtipp und dann zu einem weltweiten Box-Office-Hit. Das Werk löste eine Erfolgswelle aus, auf der ihr Begründer munter ritt. Auch als die Gattung ihre Blutrünstigkeit ablegte und die Beiträge zu Parodien gerieten, mischte „Yosemite-Sam“ (wie Clint Eastwood ihn wegen seines hitzigen Temperaments mal scherzhaft bezeichnet hatte) mächtig hinter den Kulissen als Produzent und kreativer Geist mit – etwa beim Terence-Hill-Erfolgsvehikel „Mein Name ist Nobody“ (1973).
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Sergio Leona nach der Dollar-Trilogie eigentlich keine weiteren Western mehr hatte drehen wollen. Dann aber bot ihm die Produktionsgesellschaft Paramount Superstar Henry Fonda an, dessen Schauspielkunst der Regisseur schon seit jeher bewundert hatte. Die Regielegende konnte nicht widerstehen und so entstand „Spiel mir das Lied vom Tod“. Allerdings war Henry Fonda von dem Deal zunächst nicht sonderlich angetan gewesen. Später gestand der Charaktermime indes zu, dass der Part des Killers Frank die größte Rolle gewesen sei, die er je gespielt habe.
1984 drehte Sergio Leone seinen letzten Film: „Es war einmal in Amerika“. Er hatte das Werk bereits seit den 1970ern geplant und ging entsprechend euphorisch an dieses Projekt. Leider wurde der Film zum Fiasko. Die Produktionsfirmen kürzten das Mafia-Märchen drastisch und obendrein um Szenen, die der Regisseur als essenziell empfand. Unter Tränen erzählte er Freunden und Verwandten, man habe ihm seinen Film geraubt. Noch dazu floppte das verstümmelte Epos, die Kritiken waren mau. Über die Jahre allerdings änderte sich Einschätzung. Mittlerweile liegt das Werk in einer zumindest halbwegs vollständigen Fassung vor und genießt Kultstatus. Leider bekam der Meister den späten Erfolg nicht mehr mit.
Der schwergewichtige Regisseur verstarb am 30. April 1989 in seiner Geburtsstadt Rom im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt – mitten in den Vorbereitungen zu einem Film über die Belagerung Leningrads im 2. Weltkrieg. Er hinterließ seine Ehefrau Carla, seine Töchter Francesca und Raffaella sowie seinen Sohn Andrea.